Gaussian Splatting — fotorealistische Räume direkt im Browser.
Ein Video mit dem Handy aufnehmen, und daraus wird eine 3D-Szene, durch die man sich frei bewegen kann — mit spiegelnden Oberflächen, Pflanzen und Licht, das aussieht wie auf dem Foto. Das ist Gaussian Splatting, und seit 2023 hat sich die Technik rasant entwickelt. Hier steht, was sie kann, wie sie auf die Website kommt und wo die Grenzen liegen.
Gaussian Splatting stellt eine Szene nicht aus Dreiecken dar, sondern aus Millionen kleiner, farbiger, halbtransparenter Flecken. Erzeugt wird sie aus Fotos oder einem Video. Das Ergebnis ist fotorealistisch und lässt sich im Browser frei betrachten. Grenzen: große Dateien, kein Umfärben oder Neubeleuchten wie bei klassischen Modellen und Qualität nur dort, wo fotografiert wurde. Ideal für Räume, Orte und Einzelstücke — nicht für Konfiguratoren.
Was Gaussian Splatting ist.
Die Methode wurde 2023 in einer Forschungsarbeit von Kerbl und Kollegen vorgestellt („3D Gaussian Splatting for Real-Time Radiance Field Rendering“) und hat sich seitdem schnell verbreitet. Aus vielen Fotos einer Szene berechnet eine Software die Kamerapositionen und optimiert dann Millionen sogenannter Gauß-Flecken: Jeder hat Position, Größe, Ausrichtung, Farbe und Transparenz, teils abhängig vom Blickwinkel. Zusammen ergeben sie ein Bild, das von jeder Position aus fast wie ein Foto aussieht — und das, anders als frühere Verfahren, in Echtzeit auch auf normaler Hardware darstellbar ist.
Im Vergleich zu klassischen 3D-Modellen.
| Klassisches Modell (GLB) | Gaussian Splat | |
|---|---|---|
| Entstehung | Modelliert oder aus CAD | Aus Fotos oder Video berechnet |
| Realismus | So gut wie Materialien und Licht | Fotorealistisch, inklusive Spiegelungen und feiner Details |
| Farbe und Material ändern | Einfach | Praktisch nicht möglich |
| Neu beleuchten | Ja | Nein, Licht ist eingebacken |
| Teile bewegen, zerlegen | Ja | Nur sehr eingeschränkt |
| Dateigröße | Wenige MB möglich | Oft zweistellige MB, komprimiert weniger |
| Aufwand | Modellieren braucht Zeit | Aufnahme und Berechnung, wenig Handarbeit |
Wofür es sich eignet.
- Immobilien und Räume: Wohnungen, Hotels, Ferienhäuser, Showrooms — frei begehbar statt nur als Panorama (3D-Immobilien-Visualisierung).
- Orte und Tourismus: Sehenswürdigkeiten, Außenanlagen, Veranstaltungsorte.
- Einzelstücke: Kunstwerke, Oldtimer, Handwerksstücke, Exponate, bei denen es auf den echten Eindruck ankommt.
- Baudokumentation: Zustand einer Baustelle oder eines Gebäudes festhalten.
- Messestand und Showroom dauerhaft online zugänglich machen (3D-Messepräsentation).
Weniger geeignet ist es für Produkte, die in Varianten konfiguriert werden, und für technische Erklärungen mit Explosionsansicht — dafür bleibt das klassische Modell die bessere Wahl (3D-Konfigurator).
Von der Aufnahme zur Szene.
- Aufnahme: Ein ruhiges Video oder hunderte Fotos, die das Objekt oder den Raum aus vielen Richtungen zeigen, mit gleichmäßigem Licht und ohne sich bewegende Menschen.
- Berechnung: Mit Apps und Programmen wie Polycam, Luma AI, Postshot oder offenen Werkzeugen. Je nach Umfang dauert das Minuten bis Stunden.
- Aufräumen: Schwebende Fehlstellen und unerwünschte Bereiche entfernen, Szene ausrichten — etwa mit dem Editor SuperSplat im Browser.
- Komprimieren: In ein kompakteres Format bringen, siehe unten.
- Einbinden: In einen Web-Viewer mit Kameraführung, Startansicht und eventuell Hotspots.
Im Browser zeigen.
Für die Darstellung im Browser gibt es mehrere Wege: fertige Viewer der Aufnahme-Apps zum Einbetten, den Editor und Viewer SuperSplat aus dem PlayCanvas-Umfeld und Bibliotheken, die Splats in eine Three.js-Szene bringen, etwa Spark oder GaussianSplats3D. Letzteres ist spannend, weil sich Splats dann mit klassischen 3D-Elementen, Hotspots, eigenem Design und Kamerafahrten kombinieren lassen — zum Beispiel ein fotorealistischer Raum, in dem ein modelliertes Produkt steht, das sich umfärben lässt. Die Technik entwickelt sich schnell, deshalb lohnt vor jedem Projekt ein Blick auf den aktuellen Stand der Werkzeuge.
Dateigröße und Ladezeit.
Das Rohformat einer Splat-Szene ist eine PLY-Datei, oft hunderte Megabyte groß. Für das Web wird sie in kompaktere Formate umgewandelt, die deutlich kleiner sind und schneller laden. Dazu kommt Handarbeit: nicht benötigte Randbereiche entfernen und die Zahl der Flecken reduzieren, wo das Auge keinen Unterschied sieht. Trotzdem bleiben Splat-Szenen meist größer als klassische Modelle. Eine Ladeanzeige, schrittweises Laden und ein Vorschaubild gehören deshalb dazu. Auf älteren Handys läuft die Darstellung nicht immer flüssig — ein Test auf echten Geräten ist Pflicht (zum Vergleich: klassische Modelle verkleinern).
Grenzen.
- Nur was fotografiert wurde: Bereiche ohne Aufnahme bleiben verschwommen oder leer. Der Blick hinter eine Ecke, die nie gefilmt wurde, zeigt nichts.
- Licht ist eingefroren: Tageszeit oder Beleuchtung lassen sich nicht nachträglich ändern.
- Keine Varianten: Farbe oder Ausführung ändern geht praktisch nicht.
- Glas, Spiegel, dünne Strukturen sind schwierig und brauchen Nacharbeit.
- Keine exakten Maße: Für Vermessung gibt es dafür gedachte Laserscanner.
Wenn du Unterstützung brauchst.
Ich binde Gaussian Splats in Websites ein, kombiniere sie mit klassischen 3D-Elementen und sage ehrlich, wann ein klassisches Modell die bessere Wahl ist. Einen Überblick über alle Themen gibt die Seite 3D-Webentwicklung, Preisrahmen stehen unter 3D-Konfigurator: Kosten.
Wer das schreibt.
Ich bin Manuel Killert, Web- und 3D-Entwickler aus Quakenbrück. Ich baue interaktive 3D-Anwendungen mit Three.js und Blender — Produktkonfiguratoren, Explosionsansichten, digitale Zwillinge und Scroll-Storys — und bringe sie in WordPress und WooCommerce. Die Live-Demos unten habe ich selbst gebaut, vom Blender-Modell bis zum fertigen Viewer im Browser. Die Probleme in diesem Ratgeber kenne ich deshalb nicht aus der Theorie, sondern aus eigenen Projekten.
Nicht glauben — ausprobieren.
Alle Demos laufen live im Browser, auch auf dem Smartphone.
FAQ — Gaussian Splatting auf der Website.
Was ist Gaussian Splatting?
Ein Verfahren, das eine Szene aus Millionen farbiger, halbtransparenter Flecken darstellt statt aus Dreiecken. Die Szene wird aus Fotos oder einem Video berechnet und wirkt fotorealistisch. Vorgestellt wurde die Methode 2023.
Kann man Gaussian Splats auf einer Website zeigen?
Ja, mit eingebetteten Viewern, dem Editor SuperSplat oder Bibliotheken wie Spark und GaussianSplats3D, die Splats in Three.js-Szenen bringen und mit klassischen 3D-Elementen kombinieren.
Wofür eignet sich Gaussian Splatting?
Für Räume, Immobilien, Orte, Showrooms und Einzelstücke, bei denen der fotorealistische Eindruck zählt. Für konfigurierbare Produkte und technische Explosionsansichten ist ein klassisches Modell besser.
Wie groß sind Gaussian-Splat-Dateien?
Das Rohformat PLY ist oft hunderte Megabyte groß. Komprimierte Formate für das Web sind deutlich kleiner, bleiben aber meist größer als klassische 3D-Modelle. Ladeanzeige und schrittweises Laden gehören dazu.
Wie erstelle ich eine Gaussian-Splat-Szene?
Mit einem ruhigen Video oder vielen Fotos aus allen Richtungen und einer App oder Software wie Polycam, Luma AI oder Postshot. Danach wird die Szene aufgeräumt, komprimiert und in einen Viewer eingebunden.
Kann ich bei einem Splat die Farbe ändern?
Praktisch nicht. Licht und Farben sind in die Aufnahme eingebacken. Für Varianten und Konfiguratoren braucht es ein klassisches 3D-Modell, das sich auch mit einer Splat-Szene kombinieren lässt.
Das bin ich – rechts im BildErzähl mir, was du zeigen willst.
Ich sage dir ehrlich, ob sich 3D für dein Vorhaben lohnt — und wenn nicht, was stattdessen mehr bringt.
Antwort meist innerhalb von 24 Stunden · hallo@manuelkillert.de

