Manuel Killert
Ratgeber · Shopware · Barrierefreiheit

Shopware und das BFSG — der ganze Kaufweg zählt.

Für Onlineshops ist die Rechtslage eindeutiger als für die meisten anderen Angebote: Der elektronische Geschäftsverkehr ist ausdrücklich erfasst. Und erfasst ist nicht die Kasse allein, sondern alles, was zum Abschluss gehört.

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Kurz gesagt

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, und Onlineshops sind erfasst — mit einer Ausnahme für Kleinstunternehmen bei Dienstleistungen. Geprüft wird der gesamte Kaufweg: Suche, Kategorie, Produktseite, Warenkorb, Kasse, Zahlung, Bestätigung, Konto. Shopware liefert eine brauchbare Grundlage — entschieden wird es im Theme, in den Erlebniswelten und bei Plugins.

Sofort-Hilfe

Website down oder gehackt? Schreib mir per WhatsApp oder E-Mail mit Domain und kurzer Beschreibung — ich melde mich in der Regel innerhalb weniger Stunden, auch am Wochenende, wenn es brennt. Zugangsdaten bitte nie in der ersten Nachricht, sondern erst nach Absprache über einen sicheren Weg.

Die Rechtslage kurz.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 und erfasst unter anderem den elektronischen Geschäftsverkehr — also Onlineshops gegenüber Verbrauchern.

Es gibt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen bei Dienstleistungen: weniger als zehn Beschäftigte und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme. Beides muss gleichzeitig erfüllt sein, und für Produkte gilt die Ausnahme nicht.

Ich bin kein Rechtsanwalt; das ist mein Verständnis der Lage nach Stand Oktober 2026 und ersetzt keine Rechtsberatung. Die technische Umsetzung übernehme ich, die Einordnung klärst du im Zweifel anwaltlich (Wer ist betroffen, BFSG im Onlineshop).

Der Kaufweg als Raster.

Prüf deinen Shop nicht entlang einer Mängelliste, sondern entlang des Wegs, den ein Kunde geht. Das ist das Raster, das auch die Behörde anlegen würde.

StationTypisches Problem in Shops
SucheVorschläge nur mit der Maus auswählbar
Kategorie und FilterFilter ohne Beschriftung, Ergebnis ohne Ansage
ProduktseiteVarianten als Farbkästchen ohne Text
WarenkorbMengenänderung ohne Rückmeldung
KassePlatzhalter statt Beschriftung, Fehler nur farbig
ZahlungEingebettetes Fenster nicht bedienbar
BestätigungErfolg nur über Farbe oder Symbol
KontoBestellhistorie als Tabelle ohne Kopfzeilen

Geh diesen Weg einmal selbst durch — ohne Maus, nur mit Tabulator, Pfeiltasten und Eingabetaste. Das braucht kein Spezialwissen und findet in zwanzig Minuten die Hälfte aller echten Probleme (Richtig prüfen).

Theme und Erlebniswelten.

Shopwares Standardtheme ist in dieser Hinsicht brauchbar aufgestellt. Der Vorsprung geht dort verloren, wo angepasst wurde.

Typische Funde in eigenen Themes: abgeschaltete Fokusanzeige, Überschriften nach Schriftgröße statt nach Gliederung, Schaltflächen als gestaltete Flächen ohne Rolle, zu geringe Kontraste nach Markenvorgabe, entfernte Sprungmarke zum Inhalt.

Bei Erlebniswelten kommt ein eigenes Thema dazu: Sie erlauben freie Gestaltung, und dabei entsteht leicht eine Struktur, die optisch stimmt und semantisch nicht. Ein Block mit großer Schrift ist keine Überschrift, nur weil er wie eine aussieht.

Prüf bei jeder Erlebniswelt: Ergibt die Überschriftenfolge eine Gliederung? Sind Bilder mit Text als solche gekennzeichnet oder steht der Text daneben? Sind Schaltflächen echte Schaltflächen (Fokus und Kontraste)?

Produktseiten und Varianten.

Die Produktseite hat die meisten Fallen, und eine davon ist shopware-typisch: die Variantenauswahl.

  • Varianten als reine Farbflächen. Wer Farben nicht unterscheidet, hat keine Information. Es braucht den Namen als Text, nicht nur beim Darüberfahren.
  • Auswahl nicht per Tastatur bedienbar.
  • Preisänderung nach Auswahl wird nicht angesagt.
  • Nicht verfügbare Varianten nur farblich gekennzeichnet.
  • Bildergalerie nur per Wischen oder Klick.
  • In den Warenkorb ohne Rückmeldung — optisch erscheint etwas, für einen Screenreader passiert nichts.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und technisch am leichtesten behebbar: Änderungen ohne Seitenwechsel müssen angesagt werden. Dasselbe gilt für die Preisänderung nach einer Variantenauswahl — sonst wählt jemand eine Variante und weiß nicht, dass sich der Preis geändert hat (Varianten).

Filter und Suche.

Die Stelle, an der Shops am häufigsten scheitern. Zu prüfen: Sind die Filter per Tastatur erreichbar und auslösbar? Haben sie Beschriftungen, die auch ohne Umfeld verständlich sind? Wird nach dem Filtern angesagt, wie viele Ergebnisse es gibt?

Der dritte Punkt fehlt fast immer. Wenn sich die Ergebnisliste still austauscht, weiß ein Screenreader-Nutzer nicht, ob etwas passiert ist. Eine kurze angesagte Meldung löst das.

Bei der Suche dazu: Vorschläge müssen mit den Pfeiltasten erreichbar und mit der Eingabetaste auswählbar sein. Eine Vorschlagsliste, die nur auf Mausklick reagiert, ist für Tastaturnutzer unsichtbar.

Warenkorb.

Der Warenkorb ist meist eine Tabelle — und die braucht Kopfzeilen, damit klar ist, welche Zahl die Menge und welche der Preis ist.

Dazu: Mengenänderungen und das Entfernen von Artikeln müssen angesagt werden, der neue Gesamtbetrag ebenfalls. Und ein Entfernen-Knopf, der nur ein Kreuz zeigt, braucht eine Beschriftung, die sagt, welcher Artikel entfernt wird — „Entfernen“ allein hilft nicht, wenn zehn davon untereinander stehen.

Kasse.

Die Kasse ist ein Formular, und für Formulare gelten klare Regeln: Jedes Feld hat eine sichtbare, dauerhaft zugeordnete Beschriftung. Platzhaltertexte sind keine Beschriftung, weil sie beim Tippen verschwinden. Pflichtfelder werden nicht nur farbig markiert. Die Reihenfolge beim Durchtabben entspricht der sichtbaren (Barrierefreie Formulare).

Shopware-spezifisch zu prüfen: Die Kasse lädt Bereiche nach, wenn sich Versandart oder Zahlungsart ändern. Diese Aktualisierungen müssen angesagt werden — besonders, wenn sich dabei der Gesamtbetrag ändert.

Und bei mehrstufigen Abläufen: Der aktuelle Schritt muss erkennbar und angesagt sein, Zurückgehen darf keine Eingaben kosten, und der Fokus muss beim Schrittwechsel an den Anfang des neuen Schritts springen.

Fehlermeldungen.

Der häufigste echte Ausschluss im ganzen Shop. Typisch: Jemand füllt die Kasse aus, klickt auf Bestellen, die Seite springt nach oben, ein rotes Feld meldet einen Fehler — und wer das Rot nicht sieht, sitzt vor einer Seite, auf der scheinbar nichts passiert ist.

Richtig ist: Der Fehler wird angesagt, der Text sagt im Klartext, welches Feld betroffen ist und was zu tun ist, der Fokus springt an die richtige Stelle, die Markierung ist nicht nur farbig, und die bisherigen Eingaben bleiben erhalten.

„Bitte Felder prüfen“ ist keine Fehlermeldung. Und ein Formular, das bei einem Fehler alles leert, wird nicht noch einmal ausgefüllt — von niemandem.

Zahlungsarten fremder Anbieter.

Hier bestimmst du nur begrenzt mit. Zahlungsschritte laufen oft in einem eingebetteten Fenster oder auf der Seite des Anbieters, und deren Bedienbarkeit liegt nicht bei dir.

Was du trotzdem tun kannst und solltest: Alle angebotenen Zahlungsarten mit der Tastatur durchprobieren und mindestens eine anbieten, die durchgängig bedienbar ist. Ist keine nutzbar, ist der Kauf für die betroffene Person unmöglich — unabhängig davon, wer dafür verantwortlich ist.

Dokumentiere, was du geprüft und beim Anbieter angesprochen hast. Das gehört auch in die Erklärung zur Barrierefreiheit (Erklärung).

Shop-Mails.

Bestellbestätigung, Versandbenachrichtigung, Rechnung — das sind HTML-Dokumente und folgen denselben Grundsätzen: ausreichende Kontraste, keine Information allein über Farbe, aussagekräftige Linktexte, Tabellen mit Kopfzeilen und eine lesbare Fassung als reiner Text.

Shopware arbeitet mit Mail-Vorlagen, die sich bearbeiten lassen. Das macht es einfach — und es wird selten gemacht, weil niemand an die Mails denkt (Shop-Mails).

Besonders zu prüfen: Liegt die wesentliche Information in einem Bild? Eine Bestellbestätigung, deren Inhalt als Grafik kommt, ist für Hilfsmittel leer.

Plugins prüfen.

Hier liegen die echten Ausschlüsse. Die Qualität schwankt erheblich, und die Grundlage des Standardthemes gilt für Plugins nicht automatisch.

Übliche Problemfälle: Filter-Plugins, Bildergalerien und Schieberegler, Produktkonfiguratoren, Buchungs- und Terminmodule, Bewertungsanzeigen, Einwilligungsbanner.

Das Einwilligungsbanner verdient besondere Aufmerksamkeit: Es ist das Erste, was jeder sieht. Ein Banner, das den Fokus einsperrt oder sich nicht per Tastatur bedienen lässt, macht den gesamten Shop unbenutzbar — und beide Antwortmöglichkeiten müssen gleichwertig erreichbar sein (Cookie-Banner, Plugins bewerten).

Für neue Plugins gehört Barrierefreiheit in die Auswahlkriterien — gleichrangig mit Pflegestand und Lizenzkosten.

Erklärung und Umsetzung.

Zur Erklärung: Sie beschreibt, wie barrierefrei dein Angebot ist — einschließlich der Stellen, an denen es das nicht ist. Konkret benannte Einschränkungen mit Alternativen sind besser als eine Behauptung, die bei der ersten Prüfung widerlegt wird.

Die Umsetzungsreihenfolge für einen Shop:

  1. Kaufweg ohne Maus durchgehen und notieren, wo es endet.
  2. Diese Abbrüche zuerst beheben — echte Ausschlüsse.
  3. Kasse und Fehlermeldungen in Ordnung bringen.
  4. Kontraste und Fokus im ganzen Shop.
  5. Produktseiten und Filter überarbeiten.
  6. Zahlungsarten prüfen, mindestens eine bedienbare sicherstellen.
  7. Shop-Mails anpassen.
  8. Erklärung veröffentlichen mit dem erreichten Stand.
  9. Redaktion einweisen, damit neue Produkte keine neuen Barrieren bringen.

Die ersten drei Punkte sind der Unterschied zwischen „kann nicht kaufen“ und „kann kaufen“. Alles danach macht es besser, aber nicht erst möglich (Aufwand und Kosten).

Wenn du nicht weiterkommst.

Wenn du wissen willst, ob dein Shop bedienbar ist, und keine Liste mit dreihundert automatischen Befunden brauchst. Ich finde die Ursache, behebe sie und erkläre dir, was passiert ist. Wenn gerade keine Bestellungen durchgehen, hilft der Notfall-Support, dauerhaft begleitet die Shopware-Wartung.

Fehleranalyse & Erste Hilfeab ~150 €

Ursache finden, Website wieder zum Laufen bringen, kurzer Bericht — meist am selben Tag.

Stundensatz~95 €

Für Anpassungen, Fehlerbehebung und Beratung nach Aufwand, abgerechnet in 15-Minuten-Schritten.

Wartungab ~49 €/Monat

Updates, Backups, Sicherheitscheck, Monitoring — Kleinigkeiten inklusive.

Orientierungswerte, keine Fixpreise — nach einem kurzen Gespräch bekommst du ein Festpreisangebot.

Wer hilft.

Ich bin Manuel Killert, Webentwickler aus Quakenbrück. Content-Management- und Shopsysteme sind mein Fachgebiet — ich arbeite seit Jahren damit, unterrichte das Thema als Dozent und kenne die Systeme von innen: Datenmodell, Rechtekonzept, Templating, Plugin-Architektur, Caching, Betrieb.

Bei Shopware 6 zahlt sich das besonders aus, weil es auf demselben professionellen Unterbau aufsetzt wie andere ausgewachsene Systeme: Abhängigkeitsverwaltung, Dienste-Container, eine getrennte Verwaltungsoberfläche und eine Schnittstelle für alles. Wer dieses Modell verstanden hat, findet Fehler schnell — und sieht auch, wo ein Shop gegen das Modell gebaut wurde.

Was du bekommst: eine Diagnose in verständlicher Sprache, eine Behebung, die hält, und eine ehrliche Einschätzung dazu, ob dein Shop weiterbetrieben, aktualisiert oder abgelöst gehört — auch wenn die Antwort lautet, dass alles so bleiben kann.

Häufige Fragen

FAQ — Barrierefreiheit.

Gilt das BFSG für meinen Shopware-Shop?

Onlineshops gegenüber Verbrauchern sind erfasst. Es gibt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen bei Dienstleistungen — unter zehn Beschäftigte und höchstens zwei Millionen Euro, beides gleichzeitig.

Welche Teile des Shops werden geprüft?

Der gesamte Kaufweg: Suche, Kategorie, Produktseite, Warenkorb, Kasse, Zahlung, Bestätigung und Kundenkonto — nicht nur der Bestellabschluss.

Was ist bei Varianten zu beachten?

Varianten als reine Farbflächen geben keine Information an jemanden, der Farben nicht unterscheidet. Es braucht den Namen als Text — und die Preisänderung nach der Auswahl muss angesagt werden.

Was ist der häufigste echte Ausschluss?

Fehlermeldungen in der Kasse. Wenn ein Fehler nur als rote Markierung erscheint, ohne angesagt zu werden und ohne den Fokus zu setzen, sitzt der Nutzer vor einer Seite, auf der scheinbar nichts passiert ist.

Was mache ich mit Zahlungsarten fremder Anbieter?

Alle mit der Tastatur durchprobieren und mindestens eine durchgängig bedienbare anbieten. Ist keine nutzbar, ist der Kauf unmöglich — unabhängig davon, wer verantwortlich ist. Dokumentiere, was du geprüft hast.

Gehören Shop-Mails dazu?

Ja. Bestellbestätigung und Versandbenachrichtigung brauchen ausreichende Kontraste, Tabellen mit Kopfzeilen und eine Textfassung. Wesentliche Angaben dürfen nicht nur in einem Bild stehen.

Manuel Killert (rechts im Bild) mit einem FreundDas bin ich – rechts im Bild
Kontakt

Erzähl mir, was an deinem Shopware klemmt.

Schreib mir die Adresse, die Shopware-Version und was passiert ist. Wenn gerade keine Bestellungen durchgehen, schreib das in die erste Zeile — dann sehe ich es sofort.

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