Manuel Killert
Ratgeber · Barrierefreiheit · Grundlagen

Was genau wird verlangt — die Norm im Klartext.

Das Gesetz sagt „barrierefrei“, eine europäische Norm sagt, was das heißt, und die verweist für Webinhalte auf internationale Richtlinien. Die bestehen aus Dutzenden Kriterien in juristisch-technischer Sprache. Hier stehen sie so, wie man sie im Alltag braucht.

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Kurz gesagt

Maßstab für Webinhalte ist im Kern die Stufe AA der internationalen Richtlinien zur Zugänglichkeit von Webinhalten, auf die eine europäische Norm verweist. Dahinter stehen vier Grundsätze: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust. Du musst die Norm nicht lesen — aber du solltest wissen, welche zehn Kriterien in der Praxis fast alle Probleme ausmachen.

Wie das zusammenhängt.

EbeneWas dort steht
GesetzPflicht, Geltungsbereich, Ausnahmen, Folgen
VerordnungTechnische Konkretisierung
Europäische NormAnforderungen für Produkte und Dienste
Internationale RichtlinienDie eigentlichen Prüfkriterien für Webinhalte

Für die tägliche Arbeit ist nur die unterste Zeile relevant. Die oberen drei beantworten die Frage, ob du musst — die unterste, was du tust (Wer ist betroffen).

Die vier Grundsätze.

  • Wahrnehmbar: Informationen müssen über mehr als einen Sinn zugänglich sein.
  • Bedienbar: Alles muss sich auch ohne Maus benutzen lassen.
  • Verständlich: Inhalt und Bedienung müssen nachvollziehbar sein.
  • Robust: Die Seite muss mit Hilfsmitteln zusammenarbeiten.

Diese vier Wörter sind die beste Prüffrage, die es gibt. Bei jeder neuen Seite: Kann man es wahrnehmen, bedienen, verstehen, und kommt ein Screenreader damit zurecht?

A, AA und AAA.

Die Kriterien sind in drei Stufen gegliedert. A ist das Minimum, AA der übliche Maßstab und auch der, auf den Gesetzgebung in der Regel abstellt, AAA ein höheres Niveau, das nicht für alle Inhalte sinnvoll erreichbar ist.

Praktisch heißt das: Ziel ist AA, und AA schließt A mit ein. Einzelne AAA-Kriterien mitzunehmen, ist oft billig und nützlich — etwa längere Zeitlimits oder eine bessere Kontraststufe —, aber niemand verlangt AAA flächendeckend.

Wahrnehmbar.

Hierunter fällt alles, was Information über einen zweiten Weg zugänglich macht:

  • Textalternativen für Bilder, Symbole und Grafiken.
  • Untertitel für Videos mit Ton, Textfassungen für reine Audioinhalte.
  • Struktur im Code, nicht nur optisch: Überschriften, Listen, Tabellen mit Kopfzeilen.
  • Keine Information allein über Farbe — Rot bedeutet für viele nichts.
  • Ausreichende Kontraste bei Text und Bedienelementen.
  • Umfließbarkeit: Bei starker Vergrößerung kein waagerechtes Scrollen.
  • Textabstände anpassbar, ohne dass Inhalt verschwindet.

Der dritte Punkt ist der folgenreichste. Eine Seite, die optisch gegliedert ist, aber im Code aus einer Reihe gleichartiger Textblöcke besteht, ist für einen Screenreader eine ununterbrochene Wand (Farben und Kontraste).

Bedienbar.

  • Alles per Tastatur erreichbar und auslösbar.
  • Keine Tastaturfalle: Man muss aus jedem Element wieder herauskommen.
  • Sichtbarer Fokus, immer erkennbar, wo man gerade ist.
  • Genug Zeit: Zeitbegrenzungen verlängerbar oder abschaltbar.
  • Bewegung steuerbar: Automatische Slider pausierbar.
  • Kein Blinken, das Anfälle auslösen kann.
  • Sprungmarke zum Inhalt, um wiederkehrende Bereiche zu überspringen.
  • Aussagekräftige Seitentitel und Linktexte.
  • Logische Fokusreihenfolge, die der sichtbaren entspricht.
  • Ausreichend große Bedienflächen für motorisch eingeschränkte Nutzung.

Die ersten drei Punkte sind der Kern. Wenn eine Seite diese drei erfüllt, ist sie schon weit vor dem Durchschnitt — und wenn sie sie nicht erfüllt, nützt alles andere wenig.

Verständlich.

  • Sprache ausgezeichnet, damit Vorleseprogramme richtig sprechen — und fremdsprachige Passagen gesondert.
  • Vorhersehbares Verhalten: Keine automatischen Wechsel beim Fokussieren oder bei Eingaben.
  • Einheitliche Navigation und gleiche Benennung für gleiche Funktionen.
  • Fehler benennen, und zwar im Text, mit Hinweis zur Behebung.
  • Beschriftungen und Hinweise bei Eingabefeldern.
  • Eingaben prüfbar machen bei folgenreichen Vorgängen.

Der vierte Punkt ist in Shops und Formularen die häufigste echte Hürde (Formulare).

Robust.

Zwei Dinge. Erstens ordentliches HTML: keine doppelten Kennungen, geschlossene Elemente, richtig verschachtelt. Zweitens müssen Name, Rolle und Zustand jedes Bedienelements maschinell erkennbar sein — ein Knopf muss als Knopf erkennbar sein und nicht als farbiges Rechteck mit Klickverhalten.

Dazu gehört, dass Statusmeldungen angesagt werden, ohne dass der Fokus springt: „In den Warenkorb gelegt“, „24 Ergebnisse“, „Formular gesendet“. Das ist der Punkt, an dem moderne, dynamische Oberflächen am häufigsten durchfallen.

Die zehn, die zählen.

Aus der Praxis: Diese zehn Punkte machen bei fast jeder Website den Großteil der echten Probleme aus.

#PunktWoran man es merkt
1TastaturbedienungMit Tabulator bleibt man irgendwo hängen
2Sichtbarer FokusMan weiß nicht, wo man ist
3FormularbeschriftungenNur Platzhaltertext im Feld
4FehlermeldungenNur rote Umrandung, kein Text
5KontrasteGraue Schrift auf Weiß
6AlternativtexteLeer oder Dateiname
7ÜberschriftenstrukturNach Schriftgröße gewählt
8Linktexte„Hier klicken“, „mehr“
9StatusmeldungenÄnderungen werden nicht angesagt
10Farbe als einzige InformationRot heißt Pflichtfeld

Wer diese zehn abarbeitet, hat den größten Teil erledigt — und zwar den Teil, der tatsächlich darüber entscheidet, ob jemand die Seite benutzen kann (Prüfen).

Was die Norm nicht regelt.

Sie regelt keine Gestaltung. Eine Website darf gut aussehen, Animationen haben und eine eigene Handschrift — sie muss nur bedienbar bleiben. Die Vorstellung, barrierefrei bedeute schlicht und grau, ist falsch und hält viele unnötig ab.

Sie regelt auch keine Verständlichkeit der Sprache oberhalb eines Mindestmaßes. Leichte Sprache ist auf der höchsten Stufe verankert und für öffentliche Stellen gesondert geregelt, aber kein allgemeines Erfordernis für Unternehmen.

Und sie ist kein Zertifikat. Es gibt keine Prüfplakette, die man kauft. Es gibt Prüfberichte und es gibt die eigene Erklärung (Erklärung).

Wie man sie liest.

Gar nicht am Stück. Die Richtlinien sind als Nachschlagewerk gebaut, nicht als Lektüre. Sinnvoll ist: eine Prüfung machen, die gefundenen Punkte den Kriterien zuordnen und nur dort nachlesen. Zu jedem Kriterium gibt es Erläuterungen mit Beispielen — die sind deutlich lesbarer als der Kriterientext selbst.

Für die Redaktion braucht es die Norm nicht. Dort reicht eine Handvoll konkreter Regeln, aufgeschrieben in der eigenen Sprache (Regeln für die Redaktion).

Wenn du nicht weiterkommst.

Wenn du wissen willst, welche dieser Kriterien bei dir tatsächlich verletzt sind. Ich prüfe deine Website, sortiere die Mängel danach, wen sie tatsächlich aussperren, und behebe sie: Website prüfen lassen. Was das grob kostet und wovon es abhängt, steht unter Aufwand und Kosten.

Fehleranalyse & Erste Hilfeab ~150 €

Ursache finden, Website wieder zum Laufen bringen, kurzer Bericht — meist am selben Tag.

Stundensatz~95 €

Für Anpassungen, Fehlerbehebung und Beratung nach Aufwand, abgerechnet in 15-Minuten-Schritten.

Wartungab ~49 €/Monat

Updates, Backups, Sicherheitscheck, Monitoring — Kleinigkeiten inklusive.

Orientierungswerte, keine Fixpreise — nach einem kurzen Gespräch bekommst du ein Festpreisangebot.

Wer hilft.

Ich bin Manuel Killert, Webentwickler aus Quakenbrück. Ich baue Websites und Shops mit WordPress und repariere, was andere hinterlassen haben. Barrierefreiheit ist dabei kein Zusatzmodul, sondern Handwerk: ordentliches HTML, Beschriftungen, die stimmen, Bedienbarkeit per Tastatur, ausreichende Kontraste und Formulare, die Fehler verständlich melden.

Was ich mache: bestehende Websites prüfen, die Mängel nach Wirkung sortieren, sie beheben und dir zeigen, worauf deine Redaktion künftig achten muss. Was ich nicht mache: Rechtsberatung und Zertifikate. Für eine förmliche Prüfung durch eine Prüfstelle oder eine anwaltliche Einschätzung bist du woanders besser aufgehoben — und ich sage dir das, wenn dein Fall dort hingehört.

Ich arbeite ohne Overlay-Werkzeuge. Die versprechen eine schnelle Lösung und liefern sie nicht; warum, steht ausführlich auf einer eigenen Seite.

Häufige Fragen

FAQ — Die Anforderungen.

Welche Norm gilt für barrierefreie Websites?

Für Webinhalte im Kern die Stufe AA der internationalen Richtlinien zur Zugänglichkeit von Webinhalten, auf die eine europäische Norm verweist, die wiederum über die deutsche Verordnung herangezogen wird.

Was bedeuten die Stufen A, AA und AAA?

A ist das Minimum, AA der übliche Maßstab und das Ziel, AAA ein höheres Niveau, das nicht für alle Inhalte sinnvoll erreichbar ist. AA schließt A mit ein.

Was sind die vier Grundsätze?

Wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust. Diese vier Wörter sind die beste Prüffrage für jede neue Seite.

Welche Kriterien sind in der Praxis die wichtigsten?

Tastaturbedienung, sichtbarer Fokus, Formularbeschriftungen, verständliche Fehlermeldungen, Kontraste, Alternativtexte, Überschriftenstruktur, Linktexte, angesagte Statusmeldungen und keine Information allein über Farbe.

Muss eine barrierefreie Website schlicht aussehen?

Nein. Die Norm regelt keine Gestaltung. Eine Website darf gut aussehen, Animationen haben und eine eigene Handschrift — sie muss nur bedienbar bleiben.

Gibt es ein Zertifikat für Barrierefreiheit?

Keine kaufbare Plakette. Es gibt Prüfberichte von Prüfstellen und es gibt die eigene Erklärung zur Barrierefreiheit, in der der Stand beschrieben wird.

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